Wer braucht heute noch eine Literaturzeitschrift?

Wer braucht heute noch eine Literaturzeitschrift?

Eine zugegebenermaßen provokante Frage für den Start eines Magazins, das seinen Fokus auf Kurzgeschichten und Buchbesprechungen legt. Aber eine berechtigte. Die Kurzgeschichte ist bekanntermaßen nicht erst seit gestern eine Randerscheinung auf dem deutschsprachigen Literaturmarkt. Von einem Mangel daran kann dagegen nicht die Rede sein. Abgesehen von einer Reihe etablierter und spezialisierter Zeitschriften, wird die geneigte Leserschaft über das ganze Jahr mit einer Flut an Anthologien jeder Sparte überversorgt. Wenn es kostenlos sein soll, offerieren Portale wie Wattpadd, Sweek oder diverse Foren Textmengen für Jahre – von dem Angebot eines gewissen Shoppinggiganten aus Übersee ganz zu schweigen. Für Buchbesprechungen haben Leseratten jeden Interesses abseits des Feuilletons oder Magazinen längst Kanäle auf Facebook, YouTube oder Instagram für sich entdeckt.

Eine halbjährlich erscheinende Literaturzeitschrift wirkt dagegen im ersten Augenblick nicht nur unnötig, sondern auch wie ein Relikt vergangener Tage. Doch das „Weltenportal“ hat es sich gar nicht zur Aufgabe gemacht, das Rad der Zeit zurückzudrehen und einen Kampf gegen neue Medien zu führen. Jedoch glaube ich, dass sich manche Leserinnen und Leser außerhalb dieser Möglichkeiten ab und zu immer noch gerne mit einer anregenden, sorgsam zusammengestellten Zeitschrift zurückziehen. Es ist auch meine Hoffnung, dass die Inhalte in diesem Rahmen vielleicht intensiver genossen werden, als es auf einer Webseite oder im schnell dahinfließenden Social-Media-Feed der Fall wäre.

Ich bedanke ich mich bei allen Beitragsleistenden, die dem „Weltenportal“ zum Start verholfen haben und wünsche viel Vergnügen mit den Geschichten, Artikeln und Buchbesprechungen der ersten Ausgabe. Lob, Kritik und Anmerkungen werden gerne entgegengenommen.

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